West Side Story – Die Macht von Hass und Liebe – Fulminanter Premierenauftakt zum Jubiläum „25 Jahre Clingenburg Festspiele“

– Pressemitteilung –

 

Kein anderes Musical wäre besser geeignet als „West Side Story“, um zu zeigen, welchen bedeutenden Platz sich die Clingenburg Festspiele in den 25 Jahren ihres Bestehens weit über die Region hinaus erarbeitet haben. Denn es ist das berühmteste Musical der Welt. Es lebt von einer ungeheuren Dramatik, Leidenschaft und Power, die sich von Anfang an auf das Publikum überträgt. Kein Wunder, dass das größte bisher auf der Naturbühne in Klingenberg spielende Ensemble vom Publikum beim Premierenabend am Freitag immer wieder mit Szenen- und anschließend frenetischem Schlussapplaus gefeiert wurde.

Intendant und Regisseur Marcel Krohn hat sich die „West Side Story“ für seinen eigenen Abschied nach zehn Jahren vom Festspielverein als krönenden Abschluss ausgesucht und dafür die schwer zu erhaltenden Aufführungsrechte eingeholt. Nicht nur das. Er hat mit viel Geschick ein internationales Ensemble zusammengestellt, das aus herausragenden Einzeldarstellern in Gesang, Tanz und Schauspiel besteht. Jeder Charakter verkörpert seine Rolle authentisch und leidenschaftlich, auch durch Herkunft, Hautfarbe und Dialekt.

Es entsteht von Anfang an ein Bild bei den Zuschauern von einer in zwei Gruppen gespaltenen, geteilten Welt, in der Hass und Misstrauen gegen den jeweils anderen ständig neu geschürt wird nach dem Motto: „Jeder von uns hasst einen von euch und umgedreht“. „West Side Story“ zeigt deutlich die tragischen Auswirkungen von Abgrenzung, Intoleranz und Rivalität zwischen unterschiedlichen ethnischen Gruppen und erinnert damit unweigerlich an die heutige Weltpolitik vor allem auch der USA. Doch diese Bezüge müssen in der Aufführung gar nicht explizit geschaffen werden, sie ergeben sich bereits aus dem Inhalt des 1957 uraufgeführten Musicals mit der mitreißenden Musik von Leonard Bernstein.

So bleibt die Inszenierung auf der Clingenburg auch ganz in ihrer Zeit: Die Jets, eine Gang aus Underdogs in den 50er Jahren in einem Slumviertel in New York, liefert sich immer wieder Straßenkämpfe mit den Sharks, einer aggressionsbereiten Gruppe von Einwanderern aus Puerto Rico.

Das Bühnenbild hierzu (entworfen von Marcel Krohn) ist vielseitiger und aufwendiger als in sonstigen Produktionen und bindet wiederum die Naturkulisse der Burgruine geschickt mit ein. Bauzäune und ein Gerüst etwa skizzieren die trostlose Umgebung des New Yorker Elendsviertels vor der gemalten Kulisse von Manhattan. Dahinter ist das 17-köpfige Orchester platziert, das man nur durch Fensterluken sieht. Es meistert die komplexe Aufgabe bravourös, Welthits wie „Maria“, „Amerika“ und „Heut Nacht“ mitreißend durch den fast dreistündigen Abend unter der Leitung von Philip Tillotson zu tragen, aber auch die vielschichtigen Arrangements, bei denen ein Musiker teils bis zu sechs Instrumente spielt.

Eingebettet in diesen Rahmen und bestimmt von der mitreißenden, kraftvollen Choreografie von Timo Radünz zeigen die Darsteller, was in ihnen steckt: In erster Linie natürlich das Liebespaar Maria (Theano Makariou) und Tony (Gevorg Asperánts), deren Liebe auf den ersten Blick den zarten, sanften Gegenpart zur ständigen Gewaltbereitschaft ihrer jeweiligen Gruppe darstellt. Das zeigt sich auch in den großen Stimmen der beiden, voller Wärme und Zärtlichkeit setzen sie den Kontrapunkt zu den Tänzen und Gesängen der sich bekriegenden Jugendgangs Jets und Sharks.

In den berauschenden, bühnengreifenden Choreografien der einzelnen Gangs mit- und gegeneinander bleibt kaum Zeit zum Luft holen. Die Atmosphäre vibriert vor jugendlichem Temperament, sich produzierender Männlichkeit und aufkommender Gefahr, aber auch Lebensfreude und Hoffnung. Dem Zuschauer wird allein schon durch die vielen unterschiedlichen Tanzchoreografien ein Fest für die Augen geboten, unterstützt durch bunte, rauschende 50er Jahre-Kostüme nach den Entwürfen von Evelyn Straulino.

Keine Sekunde entsteht Langeweile, und neben all der bekannten Tragik dieser sich tödlich entwickelnden Love Story nach dem Vorbild von Romeo und Julia gibt es immer wieder kokette Momente, ins Spiel gebracht durch die Puerto Ricanerin Anita (vollblütig verkörpert von Lucia Isabel Haas Munoz) oder auch humorvolle Einschübe, wenn die Jet-Boys sich etwa selbst als „wir sind schlecht“, „wir sind krank“ besingen.

Als Tony am Ende in den Armen seiner Maria stirbt, scheint einmal wieder der Hass über die Liebe gesiegt zu haben. Doch ganz so ist es nicht. Es gibt Hoffnung für die Überwindung von Hass auf alles, was fremd ist und nicht zur eigenen Gruppe, Rasse, Nation zählt. Alle singen „Lass uns den Weg gemeinsam gehen“. Denn schließlich steht die diesjährige Festspielsaison auch ganz unter dem von Marcel Krohn gewählten Motto Toleranz.

Das Publikum erhebt sich gerührt und begeistert von den Sitzen. Ein fulminanter Premierenabend mit 600 Zuschauern wird beendet mit einem ausgefallenen Feuerwerk, das die Burgruine in diverse Lichtszenen taucht und einem musikalischen Potpourri aus den diversen Musicals, die unter der Leitung von Marcel Krohn in den vergangenen zehn Jahren auf der Clingenburg aufgeführt wurden.

Der Festspielsommer endet am 12. August 2018. Eintrittskarten sind erhältlich bei den Mitarbeiterinnen der Tourist-Information Hauptstraße 26 a, 63911 Klingenberg, Telefon 09372 3040 und 921259, Telefax 09372 12354, per E-Mail: tickets@clingenburg-festspiele.de oder über Reservix. Besuchen Sie die Homepage www.clingenburg-festspiele.de. Hier sind alle Produktionen und Termine zu finden.

 

Fotocredit: Bärbel Bornhöft