Amphi 2018 – der erste Tag

Heiß, heißer, Amphi – das war das Motto am Wochenende vom 28.-29.07.2018 in Köln. Bei gefühlten Backofen-Temperaturen machten sich tausende Menschen auf den Weg zum Tanzbrunnen, um sich zwei Tage lang mit der Musik ihrer Lieblingsbands beschallen zu lassen. Das 14. Amphi hatte wieder ordentlich aufgefahren: auf allen drei Bühnen war für jeden was dabei und ein Highlight jagte das nächste. Ein Highlight waren wie jedes Jahr die Besucher des Amphis: es gab opulente Roben, stylische Cybers, locker flockig gekleidete und eher weniger bekleidete Menschen. Eine bunte Mischung, bei der alle Facetten des Schwarz vertreten waren.

Und wo wir schon bei alle Jahre wieder sind: die Getränkepreise waren immer noch fernab von Gut und Böse. Gerade bei den Temperaturen in diesem Jahr fiel das noch unangenehmer auf, da schließlich ausreichend getrunken werden musste, um den guten gesundheitlichen Status zu wahren. Das Amphi versuchte natürlich wieder, die Preissituation zu entschärfen durch das kostenlose Zapfen von Leitungswasser. Zwei Stationen standen zur Verfügung und waren auch kontinuierlich stark frequentiert was zwischendurch dazu führte, dass man z.B. die Schlange zum Theater-Eingang nicht von der Wasserschlange unterscheiden konnte. Dafür war an den Gastro-Ständen eigentlich immer genügend Platz und auch die Händlermeile erschein etwas leerer als sonst. Das Angebot war aber wie immer ausreichend, und Hauptaugenmerk des Festivals ist natürlich immer noch die musikalische Gestaltung.

Leider war bereits Tage vorher mitgeteilt worden, dass die MS Rheinenergie wie schon im letzten Jahr aufgrund des niedrigen Rhein-Pegelstandes am Altstadtufer anlegen. Zwar war auch wieder der Shuttle-Service eingerichtet worden, aber bei der doch recht engen Taktung der Bands gerade zum Abend hin musste man sich entscheiden, ob man viel sehen wollte, oder nur einige Highlight.

Für diesen Bericht wurde entschieden, so viel wie möglich zu sehen. Schweren Herzens wurde deswegen die Orbit-Stage nicht berücksichtigt, dafür aber alle Bands auf der Main- und Theater-Stage besucht. Zwar jeweils nur kurz, aber ausreichend lang genug, um ein paar neue Lieblingsbands zu erhaschen.

Das Hauptprogramm lief natürlich auf der Main-Stage. Hier eröffneten Intent:Outtake am Samstag um 11 Uhr das Festival. Die Leipziger Jungs lockten bereits eine recht große Menge Fans an die Bühne, die sich schon mal eintanzen konnten. Im nächsten Jahr sind die Jungs übrigens auf Hybridize-Tour mit Agonoize, Funker Vogt und Eisfabrik. Der sympathische Auftritt machte auf jeden Fall Lust auf mehr. Nach kurzer Pause wechselte die Stil-Richtung auf der Bühne: eigentlich hätten The Creepshow bereits im letzten Jahr dabei sein sollen, musste ihren Auftritt aber kurzfristig absagen. Damals wurde schon angekündigt, die wären dann eben in diesem Jahr dabei. Und so rockten die Kanadier nun eben in diesem Jahr die Main-Stage. Sängerin Kenda begeisterte nicht nur durch ein ziemlich gutes Aussehen, sondern auch durch eine gute Gesangsleistung. Da ging nicht nur Moderator Honey das Herz auf (schließlich setzt er sich für die Etablierung der Rockabilly/Horrorbilly-Bands auf dem Amphi ordentlich ins Zeug), auch das Publikum war begeistert. Für heute sollten The Creepshow aber die einzige „exotische“ Band auf der Hauptbühne sein. Mit [X]-Rx ging es nämlich wieder elektronisch weiter. Und mit wesentlich mehr Publikum als zuvor, schließlich war dies ein Heimspiel der Kölner. Selbst ihre selbstbezeichneten „langsamen“ Songs brachte die Tänzer noch aus der Puste vor lauter Geschwindigkeit. Die Jungs selbst hatten derweil offensichtlich einen heiden Spass auf der Bühne und genossen ihren Auftritt in allen Zügen. Ihnen folgte eine immer wieder gern gesehene Band im Tanzbrunnen: die Unzucht stürmte auf die Bühne und in die Herzen ihrer Fans. Dem Schulz schien die Hitze überhaupt nicht auszumachen. In gewohntem Outfit mit Jacke, Handschuhen und Bandana stürmte er über die Bühne, heizte dem Publikum ein, ließ es singen und tanzen und schien manchmal selbst ein wenig überrascht, wenn das Publikum einfach mal alleine weiter sang. Die Unzucht bestätigte einmal wieder: sie stehen zurecht auf der Hauptbühne des Amphi-Festival. Und darf auch gerne immer wieder kommen. Weiter ging es mit Aesthetic Perfection. Und einem „Huch, kenn ich den?“-Moment. Die Amerikaner kamen zu dritt auf die Bühne, mit dabei hatten sie nämlich eine „Drummerin“, die sich bei genauerer Betrachtung als Joe Letz von Combichrist rausstellte. Sein Bühnenoutfit hat er sich wohl aufgrund eines Konzertberichts zugelegt, in dem er als „Drummerin von Combichrist“ bezeichnet wurde. Auf jeden Fall eine ziemliche coole Reaktion darauf. Aesthetic Perfection legten dann eine wie gewohnt perfekte Show hin. Daniel Graves sang sich mit all seine Sympathie direkt wieder in die Herzen der Fans und Elliot Berlin stand mehr auf seinen Keyboards als auf dem Boden (und war Make-Up mäßig an das dezente Aussehen von Joe Letz angepasst, was den Spass-Faktor direkt erhöhte). In gewohnter Besetzung und gewohnten Outfits kam die nächste Band auf die Bühne: auch Mono Inc. sind immer wieder ein gern gesehener Gast auf dem Amphi. Und dieses Mal hatten sie auch ordentlich was zu feiern, denn sie hatten den Veröffentlichungstermin ihres neuen Albums auf das Amphi gelegt. Die Fans freuten sich darüber und dank der vorab veröffentlichten Videos zu drei der neuen Songs konnten auch Lieder wie „Welcome to Hell“ direkt mitgesungen werden.  Es ist schon ein Phänomen. Kaum betreten Mono Inc. die Bühne, haben sie die Sympathien auf ihrer Seite, verbreiten eine ausgelassene Stimmung und ziehen einfach alle mit. Da muss man nicht mal Fan sein, man macht einfach mit. Und das ist es, was diese Band zu einem gern gesehenen Gast auf Festivals macht. Mono Inc. können ja schon einiges an Banderfahrung vorbringen, doch mit der nächsten Band können auch sie nicht mithalten: seit 40 Jahren existieren OMD (Orchestral Manoeuvres in the Dark) schon. Sie können nicht nur auf diverse Hits zurück blicken, sondern auch auf eine bewegende Bandgeschichte mit Trennung und Revival. Und gerade weil es sie schon so lange gibt, hatte sich auch eine große Zahl Fans vor der Bühne versammelt und feierten die Band wie einen Headliner. Für viele waren sie das wohl auch, denn oft hörte man nur Aussagen wie „Dass ich die irgendwann mal sehen würde“, „Die hab ich schon als Kind gehört“, „Sie haben nichts an Energie verloren“. Es war wirklich eine grandiose Show, die begeisterte und auch Headliner-würdig gewesen wäre, wenn da nicht noch eine Band auf dem Plan gestanden hätte, die diese Position ebenso verdient hat: ASP kam, spielte, und brachte den Tanzbrunnen zum Beben. ASP macht nicht nur meisterhafte Musik, er verströmt auch eine meisterhafte Atmosphäre. Und er weiß, wie man eine Headliner-Show gestaltet. Mit dabei waren natürlich auch diverse Pyros, aber die braucht ein ASP eigentlich gar nicht. Seine Stimme, seine Wirkung, sein Zusammenspiel mit Band und Publikum reichen eigentlich schon vollkommen. Und wer auf dem Amphi noch nicht genug von ASP bekommen hat, der kann sich im Oktober ja noch eins der Konzerte anschauen. Aber Obacht: in drei Städten ist bereits der Ausverkauf verkündet worden, also schnell noch Tickets sichern, bevor die restlichen Termine auch noch weg sind.

Im Theater ging es den ganzen Tag über gewohnt dunkel und stickig zu. Die Klimaanlage dort schafft einfach die Menge an Menschen nicht. Und da auch nur eine Tür im Eingangsbereich und eine Tür als Ausgang geöffnet waren, konnte auch kein Durchzug stattfinden. Nicht, dass großartig Wind dafür da gewesen wäre. Das Programm im Theater war auf Tanzen ausgelegt und los ging es hier mit Future Lied to Us, die zwischendurch selbst mal feststellten, dass es doch etwas heiß im Theater war. Das hielt aber weder die Band noch das Publikum davon ab, sich kräftig zu bewegen. Bei Kiew war das ganz ähnlich. Der experimentelle Electro-Indie der Lüneburger ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig und irritiert Unwissende im ersten Moment ein wenig. Im zweiten Moment denkt man sie allerdings „Aha, interessant“ und kann nicht umhin, sich etwas mehr für diese Band zu interessieren. Kann man nur jeden ans Herz legen, der mal was anderes hören möchte. Was anderes zeigen auch die Bremer von Centhron. Auch wenn Moderator Mark Benecke meinte, als Norddeutsche hätten sie es nicht so mit Tanzen und ausgelassen sein (dem ich selbst als Norddeutsche widersprechen möchte: wir können das wohl, wir tuns auch, aber halt nur, wenn wir gerad mal Bockdrauf haben), Centhron wissen, wie sie ihre Fans zum Tanzen bringen können. Nicht nur ihr Viking Harsh Electro ist dafür verantwortlich, sondern auch Elmar, der sich gar nicht so großartig bewegen muss, um dem Publikum einzuheizen. Das gilt übrigens auch für die nächsten Bands: sowohl [:SITD:] als auch Funker Vogt und die kurzfristig eingesprungenen Suicide Commando kennen ihr Publikum genau. Wie viele Fans diese Bands haben, zeigte sich durch den Einlass-Stopp am Theater. Das war natürlich unangenehm für die draußen wartenden, die ihre Bands nur durch die geöffneten Türen hören konnten, aber Sicherheit geht nun mal vor. Im Theater war aber noch genügend Platz, um die drei Bands über durchtanzen zu können. Besonders lang war die Schlange der Wartenden dann beim Headliner im Theater: Altmeister Midge Ure betrat die Bühne und zeigte, dass auch eine schlichte Show begeistern kann. Bekannt ist er vor allem durch Ultravox, die schon 1977 ihr erstes Album raus brachten. Mit seiner live-Band und selbst an der Gitarre begeistert Midge Ure durch Stimme, Gesang und Erscheinung. Die Begeisterung im Publikum war regelrecht greifbar und rechtfertigten die Position als Headliner.

Übrigens: auch von den Bands auf der Orbit Stage hörte man nur Gutes. Auf dem Schiff konnte man sich La Scaltra, A Projection, Whispers in the Shadows, Soviet Soviet, Lebanon Hanover und She past Away anschauen. Vor allem La Scaltra wurde mir empfohlen, so dass ich da doch mal reinhören müsste.

Insgesamt war es ein sehr runder erster Tag, der bereits bekanntest und auch neues bzw. altes in Person von OMD und Midge Ure bereit hielt. Das Publikum auf dem Amphi ist sowieso immer begeisternd und feiert einfach jede Band mit. Und wenn man gerade mal eine Pause machten möchte, geht man shoppen und chillt am Strand eine Runde. Für die Gastro-Preise kann das Amphi nun mal nichts, vor allem was die Getränke betrifft. Tag 1 machte auf jeden Fall Lust auf mehr, und auch das Line-Up für den Sonntag konnte sich sehen lassen (Achtung, Spoiler: Agonoize ohne Blut … ja ne, wers glaubt …)

 

Galerie Mainstage:

Galerie Theater-Stage