15. Feuertal Festival – der zweite Tag

Mit strahlendem Sonnenschein begrüßte der zweite Tag des Feuertal Festivals seine Besucher und brachte sie direkt in beste Stimmung. Wie auch am Vortag wurden gegen 13 Uhr die Tore zur Waldbühne geöffnete und die Fans strömten herein. Gefühlt war definitiv mehr los als am Freitag, man drängte sich regelrecht an die Absperrung zum Bühnenbereich und stürmte voran, sobald die Security das Absperrband auch nur berührte. Beste Plätze sichern, hieß es für viele Besucher. Den nicht aus der Gegens stammenden Leuten schien dies erst mal seltsam, so viel „Stress“ nur für einen Opener? Wer aus der Gegend stammte, der wusste was nun passieren würde. Und alle anderen klärte Major Voice auf: die nächste Band ist in Wuppertal nämlich bekannt wie ein bunter Hund: Punch’N’Judy enterten die Bühne. Vom ersten Moment an war die Stimmung auf dem Hochpunkt, das Publikum war mehr als nur voll dabei, machte jeden Sinn und Unsinn mit und sang sich die Kehle wund. Und das schon beim Opener. Captain Cooper musste da nicht mal viel mehr tun, als nur den Arm zu heben und schon fraßen ihm die Fans aus der Hand. Auch eine dieser respektlosen Wespen, die Ute regelrecht verfolgte, konnte der Stimmung auf der Bühne keinen Abbruch bereiten, allesamt heizten sie dem Publikum ein und brachten das Feuertal zum Kochen.

Das wollten auch Incantatem, die als nächsten folgten. Zugegeben: nach Punch’N’Judy hatten sie schon eine etwas schwierigere Ausgangslage. Aber das Feuertal wäre nicht das Feuertal, wenn das Publikum die Bands im Stich ließe. Und so wurde einfach fröhlich weiter gefeiert, gesungen und getanzt. Scheinbach kannte der Großteil der versammelten Leute nahezu jedes Lied jeder einzelnen Band auswendig. Incantatem bedankte sich für diese Begeisterung mit einer Show, die der vorherigen Band in nichts nachstand. Die Interaktionen auf der Bühne zeigten auch, wie viel Spass die Band selbst an ihrer Show hatte, die Mädels brachten mit ihren mal zweifelnden Blicken ob des Gesungenen, mal mit ihrer Bewunderung für die Spielkünste ihrer Kollegen und dem zusammen Agieren das Publikum immer mal wieder zum Lachen, während Malte mit seiner Stimme glänzte.

Etwas ruhier wurde es bei Ganaim. Bereits Major Voice brachte den Feuertalern bei, wie man das ausspricht („Hätten sie ein Kind mit Namen Ann, hieße es Ann-Ganaim“) und auch Pinto nahm dies noch mal auf („wie angenehm, nur noch ein i dazwischen quetschen“). Der im Gegensatz zu den vorherigen Bands eher ruhige Celtic Folk von Ganaim sorgte dann zwar dafür, dass man etwas ausruhen konnte, langweilig war es aber keineswegs. Das Trio hielt die Stimmung hoch, das Publikum sang mit und schien sich etwas mehr auf das Tanzen zu konzentrieren. Oder ließ sich von Saskia verzaubern, die nicht nur mit ihrer Geigenkunst, sondern auch mit ihrer Schönheit glänzte.

Paddy and the Rats verzauberten anschließend weniger durch atemberaubende Schönheit, dafür aber mit ihrem Piratenpunk. Die Budapester Jungs ließen das Publikum nicht wirklich durchatmen während ihrer Show, es war eine einzige große Party. Und auch hier konnten die Fans anscheinend wieder jedes Lied mitsingen. Bei den englischsprachigen kann man das ja vielleicht noch verstehen, kann man ja vor dem Festival lernen. Aber die Ungarn hatten auch ein Lied in ihrer Heimatsprache im Gepäck, bei dem Paddy das Mikro auch dem Publikum in die Hand hätte drücken können. Die konnten den Refrain nämlich lauthals und anscheinend gar nicht mal so falsch laut mitsingen, so dass Paddy sie auch durchaus alleine singen ließ. Es ist schon ein faszinierendes Volk, diese Feuertaler. Übrigens, auch bei Paddy and the Rats wagte sich eine todesmutige auf die Bühne und interessierte sich für das Akkordeon von Bernie (man könnte vermuten, dass es sich um die dieselbe Wespe handelte, die bereits bei Punch’N’Judy Utes Akkordeon studierte). Der ließ sich davon aber wenig beeindrucken und animierte das Publikum weiterhin zu Höchstleistungen.

Wer aber denkt, dass diese ausgiebige Feierei bei den ersten vier Bands zu Ermüdungserscheinungen beim Publikum geführt haben könnte, der irrte. Es ging einfach fröhlich weiter. Diesmal zu Schandmaul. Die waren mit Akustik-Set angereist. Normalerweise heißt Akustik-Set automatisch es wird ruhiger. Aber was ist bei Schandmaul schon normal? Sie hatten ja sogar ihre eigene Bar auf der Bühne dabei. Dort durften es sich ein paar Gäste gemütlich machen, die in einer Verlosung einen Bühnenplatz gewonnen hatten. Bedient wurden sie von Saskia von Ganaim. Und auch Ally und Birgit gönnten sich zwischendurch mal ein Gläschen. Wenn sie nicht gerade das Publikum verzückten. Thomas sorgte derweil für diverse Lacher. Z.B. aufgrund von vergessener Liedtexte und nicht vorhandener Spicker. Dass er die aber auch nicht so zwingend brauchte, bewies er prompt dadurch, dass auch ein Lied gesungen wurde, welches vorher nicht geprobt wurde. Gut, die ein oder andere Textzeile von „Wandersmann“ kam etwas verzögert, ab und an musste auch mal ganz neu angesetzt werden, und wer braucht schon den Teil mit der Hölle? Es war sicher einer der lockersten Auftritte des gesamten Festivals. Doch auch Schandmaul können sehr ernst und ruhig werden, wie bei „Zum Geleit“, bei dem sich der ein oder andere doch diverse Tränchen verdrücken musste. Doch Schandmaul wissen auch, wie sie die Stimmung direkt wieder aufhellen können. Z.B. durch einen Song „eigentlich für Betrunkene“, wie Birgit mitteilte. „Wir werden versuchen, das mal glaubhaft rüber zu bringen.“ Gelang ihnen ausnahmslos hervorragend.

Auch wenn der Auftritt von Schandmaul wie Headliner wirkte: der kam jetzt erst. Und wie … Saltatio Mortis hatten den Namen des Festivals überaus ernst genommen. Schon zu Beginn des Tages waren die dafür nötigen Aufbauten zu sehen gewesen: Feuer, Feuer und noch mehr Feuer. Saltatio Mortis eben. Und das vom ersten Song an. Gefühlt wurde bei den ersten beiden Liedern durchgefeuert (während der folgenden drei Songs machte man damit kurz eine Pause, damit die Fotografen auch fotografieren konnten). Die Feuerpause nutzte Alea dann direkt, um auf erste Tuchfühlung mit dem Publikum zu gehen (mitten durch die Fotografen durch …). Und auch das Crowdsurfing durfte im Show-Verlauf nicht fehlen. Saltatio Mortis füllten nicht nur die Bühne gut aus, sie hatten das komplette Festival im Griff und lieferten sich schon fast eine Gesangsschlacht mit dem Publikum, das nun wirklich JEDEN Song mitsang, weil natürlich auch jeder schon das neue Album pünktlichst zu Hause liegen hatte, um sich ordentlich auf die Show vorbereiten zu können.

Es war ein mehr als gelungener Abschluss für ein mehr als gelungenes Festival. Das Feuertal nimmt in der Festival-Saison einen ganz besonderen Platz ein, denn es gehört zu den Festen, die nicht nur ein wunderbares Line-Up begeistern, sondern auch durch eine unschlagbare Location, eine unglaublich familiäre Stimmung und eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Dazu noch hervorragend organisiert, mit freundlichem Personal und guten Drumherum-Programm.

Im nächsten Jahr geht es weiter und nicht wenige werden ungeduldig darauf warten, was 2019 geboten wird.