15. Feuertal Festival – der erste Tag

Es gibt große Festivals – es gibt gigantische Festivals – und es gibt die kleinen, atmosphärisch-familären Festivals, die zum Entspannen, zum Ausruhen und einfach nur zum Musikhören einladen. Dazu gehört das Feuertal in der wundervollen Hardt-Anlage Wuppertal. Zum 15. Mal fand dieses besondere Ereignis am Wochenende vom 17. auf den 18. August statt. Mit insgesamt 11 Bands konnte man dieses besondere Wochenende feiern. Nicht nur die Headliner Versengold und Saltatio Mortis sorgten dabei für Stimmungshöhepunkt: denn das besondere an dem Feuertal ist, das bei nahezu jeder Band Headliner-Feeling aufkommt. Und so auch bei diesem Jubiläum.

Alles Tolle hat irgendwie auch immer auch immer einen Haken. Bei dem Feuertal ist das ganz klar der Start Freitags Mittags. Kommt man nicht aus der direkten Umgebung, sondern muss eine weitere Strecke fahren oder gar noch arbeiten, so verpasst man die ersten Bands, wenn man es überhaupt vor dem Headliner zur Waldbühne schafft. Dennoch versammelten sich am Freitag kurz vor 13 Uhr schon einige Leute auch der Treppe zum Einlass. Befürchtungen einer Matschparty nach den starken Regenfällen des Vormittags bewahrheiteten sich zum Glück nicht und das Wetter war fast schon angenehm. Relativ pünktlich (also nur minimal später als angekündigt) wurde man dann eingelassen und konnte sich auf dem kleinen Markt umsehen. Viel hat dieser im Normalfall nicht zu bieten, der zur Verfügung stehende Platz ist aber wunderbar genutzt, der große Merch-Stand ist direkt am Eingang und Verpflegung ist genügend vorhanden zu sehr humanen Preisen. Da kann sich manch ein anderes Festival ein Beispiel daran nehmen.

Fokus des Feuertals ist aber natürlich das Musikprogramm. Und das Rahmenprogramm in Form des Moderators. Dieses Jahr aber betrat nicht Eric Fish die Bühne zur Begrüßung der Fans. Bereits Tage vorher war mit Major Voice der diesjährige Moderator bekannt gegeben worden. Wer Auftritte von ihm bereits mitbekommen hatte der wusste, dass er das wunderbar hinbekommen würde. Doch Major Voice überraschte einfach jeden mit der Unmenge an Humor, mit der er um sich warf. Sei es nun sein Lieblingswort „spektakulär, weil es mit Speck anfängt“ oder die morgens noch eingeworfene „Brockhaus 400“, Major Voice brachte mit jeder einzelnen Ansage das Publikum zum Lachen. Und verbreitete Gänsehaut, als er in den Ansagen die Stimme zu diversen Liedern erhob. Dass er nicht nur auf Publikumsanimation aus war, sondern als seriöser Moderator da stand bewies er durch seine akribische Vorbereitung, denn jede einzelne Band wurde mit kleinen persönlichen Geschichtchen eingeleitet.

So auch der Opener des Festivals: um exakt sechs Minuten nach 13 Uhr betraten Dunkelschön die Bühne. Die Folkrocker um Frontfrau Vanessa Istvan legten direkt stimmungsvoll los und bereiteten das Publikum auf das kommende vor. Wie eingangs schon geschrieben ist der Freitag Mittag kein sehr grandioser Startpunkt für ein Festival, dennoch waren die Stufen des Amphitheater schon gut gefüllt und Feuertal-typisch wurde auch schon ordentlich mitgefeiert und mitgesungen. Vanessa und ihre Band legten sich auch ordentlich ins Zeug und brachten so eine solide Opener Show auf die Bühne.

Wesentlich mehr Stimmung, weil mehr Publikum, kam dann bei Krayenzeit auf. Markus Engel und seine Männer und Frauen brauchten tatsächlich nicht mal einen Song, um das Publikum um den Finger gewickelt zu haben. Nicht auf der Bühne kam es ständig zu Interaktionen zwischen den Musikern, auch die Fans wurden ständig mit einbezogen. Das funktioniert beim Feuertal ja sowieso immer extrem gut. Und so wunderte es nicht, dass auch das „Experiment“ sich auf den Boden zu knien und auf vier – wohlgemerkt, auf VIER, und nicht wie üblich auf drei, aufzuspringen und zu eskalieren hervorragend glückte.

Natürlich lieferten Dunkelschön und Krayenzeit sehr gute Shows ab, doch irgendwie wartete man nur auf die folgende Band, denn man musste ja auch eine ganze Weile auf sie verzichten: nun sind Coppelius aber wieder auf den Bühnen der Welt zu finden. Und da gehören sie auch hin. Definitiv und ohne Zweifel. Wer dies zuvor nicht glauben wollte, der weiß es nun. Die Herrschaften Le Comte Caspar, Max Coppella, Graf Lindorf, Sissy Voss, Nobusama und natürlich Butler Bastille verbreiten eine Stimmung, die schlicht unschlagbar ist. Dass die Herren das gesamte Konzert über in ihren Rollen bleiben können, ist schon erstaunlich. Trotz kurzzeitiger „Wardrobe malfunction“ („Ausziehen!!“ wagte es das Publikum zu fordern, was Bastille aber mit einer abwerteten Geste davon wischte „Nenene, wir sind eine seriöse Band“). Nur eine kleine Wespe brachte den Butler kurzzeitig zur Verzweiflung (wobei die Wespen auf dem Festival auch arg anhänglich waren und keinerlei Respekt den Musikern gegenüber zeigten). Die Herrschaften aber ließen sich nicht dadurch stören. Es sei an dieser Stelle voller Hochachtung noch zu vermerken, dass Graf Lindorf trotz enormer Verletzung das Cello spielte. Ihm war nämlich eine Fingerkuppe abhanden gekommen, was Bastille mit nahezu genial-künstlerischen Fähigkeiten mit faustdicker Kreide auf einer Tafel aufmalte. Eine Erklärung dazu blieb der Graf seinen Bewunderern aber schuldig – außer man glaubt die Geschichte mit den messerscharfen Federn des Staubwedels. Dass trotz des Adels keinerlei Scheu vor dem gemeinen Volk besteht, bewies man dann noch durch das Herbeibeten von „vorzugsweise jungen Männern mit starken Nacken und langen Haaren“ um gemeinsam gepflegt das Köpfeschütteln auf der Bühne zu zelebrieren. Vom Butler servierten Sekt gab es auch noch. Bei Coppelius wird es einem nicht langweilig. Und Musizieren können die Herrschaften ja auch noch, und singen ebenfalls. Allesamt. Und man wollte sie auch nicht einfach so gehen lassen: kaum von der Bühne verschwunden ertönten auch schon die „Da Capo!“ Rufe aus dem Publikum und die Herrschaften gewährten dem Publikum diesen Wunsch. Da ist es gut, dass sie mit ihrer Steampunk-Oper „Klein Zaches, genannt Zinnober“ im September in Gelsenkirchen zu sehen sind.

Der Veranstalter wird schon gewusst haben, dass man nach dieser Vorstellung erst mal ein kleines Ruhepäuschen brauchte. Und so kamen als nächste Band Bannkreis auf die Bühne. Die Band mit der kürzesten Bandgeschichte auf dem Festival besticht nicht nur durch das Personal von Subway to Sally und der unbestreitbaren Bühnenpräsenz von Eric Fish, es ist vor allem Sängerin Johanna Kris, die die Blicke auf sich zieht und mit ihrer Stimme und Gesangsintensität für Gänsehaut sorgt. Showmäßig muss man nicht viel sagen: Eric und seine Mannen wissen schließlich, wie sie das Publikum im Griff haben können. Johanna aber machte ihre Sache hervorragend (und wie Major Voice bei der Anmoderation schon sagte: eine Frau, die so schön aussieht wie sie singt) und interagierte auch mit ihren Musikerkollegen. Des Öfteren vergaß man sogar, dass sie blind ist denn es wirkte, als würde sie alles sehen können. Bannkreis sind aber doch eher eine Band für die ruhigeren Momente. Zwar brach die Stimmung nicht völlig ein (das ist beim Feuertal-Publikum auch gar nicht möglich), aber das von Coppelius hervorgerufene Hochgefühl ebbte doch erst mal ein wenig ab. Das Cover „Sweet Dreams“ wurde trotzdem noch lautstark mitgesungen.

Schließlich war es aber schon Zeit für den Headliner des Tages: um kurz nach 20 Uhr betraten Versengold die Bühne. Ein gut ausgesuchter Headliner, denn Versengold feiern in diesem Jahr selbst ihr 15jähriges Jubiläum und so gab es gleich doppelten Grund zum Feiern. Und die Bremer Jungs hatten ihren Fans auch was mitgebracht: Hörproben vom neuen Album, das derzeit produziert wird. Und so kam man in den Genuss von „Der Tag an dem die Götter sich betranken“, der einige Song, der in einer „produktiven“ Woche am Strand entstand. Malte und seine Jungs brachten in Windeseile das Hochgefühl zurück, das bei Bannkreis etwas verloren ging und schon nach kürzester Zeit wurde kräftig mitgesungen, ob nun zu „Wem? Uns!“ oder „Paules Beichtgang“. Einen besonderen Gänsehaut-Moment gab es beim Wunderkerzenmeer zu „Funkenflug“ – und bei „Highway to Hell“ gesungen von Eike, das bei „Immer schön nach unten treten“ eingestreut wurde. Versengold hatten sich allerdings etwas mit ihrer Spielzeit vertan: in der „Pause“ zur Zugabe erfuhren sie, dass sie mehr Zeit hatten als gedacht. Also gab es spontan dann eben noch einen Song mehr. Das Publikum hatte natürlich nichts dagegen und war auch noch munter mit dabei, als zu „Ich und ein Fass voller Wein“ geschunkelt werden sollte.

Es war ein unaufgeregter, aber herrlicher Abschluss dieses ersten Tages, der einen mit einem guten Gefühl und in hervorragender Stimmung in die Nacht entließ. Und einen voller Erwartung auf den nächsten Tag schauen ließ, der nicht minder hervorragend werden sollte.