Ruhrpott Metal Meeting 2017 – Bericht Tag 2

Der zweite Tag des Ruhrpott Metal Meetings begann, wie Tag 1 (Bericht HIER) endete: mit ordentlich viel Schnee. Demnach war eine vorsichtige Anreise angesagt. Die Turbinenhalle hatte wieder weit vor der ersten Band geöffnet, allerdings waren die Konzerthallen zunächst noch geschlossen. An diesem Tag waren beide Hallen in Betrieb: die Main-Stage in der Haupthalle und im zweiten Bereich die Flöz-Stage. Insgesamt spielten 12 Bands. Leider gab es deutliche Überschneidungen in den Spielzeiten, was gerade zum Nachteil der Flöz-Stage war. Hier war schlicht und einfach wenig los, denn das Hauptprogramm war für die meisten Besucher verlockender. Und so konnten sich nur die ersten beiden Bands auf der Flöz-Stage über ein großes Publikum freuen, da das Programm der Main-Stage erst später anfangen sollte.

Kommen wir aber zunächst auf das Hauptprogramm zu sprechen:

Auf der Main-Stage ging es los mit Death Angel. Die Mannen um Sänger Mark Osegueda legten direkt ordentlich los und hauten der Turbinenhalle ihren Trash Metal um die Ohren. Die jahrelange Bühnenerfahrung der Band zeigte sich deutlich in ihrer Fähigkeit, das Publikum zu begeistern. Und es war viel los auf der Bühne: Mark Osegueda fegte über die Bühne, während seine Musiker dem Publikum nicht nur instrumental einheizten, sondern auch direkt den Headbang-Marathon starteten. Und als i-Tüpfelchen gab es auch noch ordentlich auf der Bühne, so dass man dem Geschehen auch gut folgen konnte.

Mit Power ging es weiter: Gloryhammer enterten die Bühne. Ihr „Intergalactic Space Metal“ verbreitet schlicht und einfach Spass. Unterstrichen durch die Kostümierung der Musiker sowie dem obligatorischen Hammer-Schwingen, kam dieser Stil wunderbar zu Geltung. Es war schnell, es war grandios, es war einfach Gloryhammer. Nur kurz musste man überlegen, ob da eigentlich wirklich Christopher Bowes an den Keyboards stand, wo doch Alestorm eigentlich gerade in Chile waren …

Viel Zeit hatte man nicht, um darum nachzudenken, denn mit Power Metal ging es weiter: Orden Ogan tauchten die Bühne in eine Western-Atmosphäre. Zumindest war Dekoration und Kleidung der Band betraf. Die Musik war nach wie vor ordentlicher Metal, der routiniert von der Band auf die Bretter gehauen wurde. Dementsprechend hervorragend war die Show, nur die Kanone nach „Gunmen“ war irgendwie ein bisschen überflüssig.

Völlig unkostümiert, dafür schlicht und einfach sie selbst, kamen anschließend Annihilator auf die Main-Stage. Auch diese Band gibt es gefühlt schon ewig. Und auch diese Band weiß ihre gesammelten Erfahrungen wunderbar einzusetzen. Obwohl Jeff Waters sich nicht mal großartig anstrengen muss, um das Publikum zu begeistern, legte er sich zusammen mit dem Rest der Band ordentlich ins Zeug und brachte grandiosen Heavy-Trash-Metal auf die Bühne, der von allen mitgefeiert wurde.

Nach Annihilator gab es dann mal eine optische Abwechslung zum restlichen Programm: eine Frau betrat die Bühne. Aber nicht irgendeine. Sondern niemand geringeres als die Metal-Queen Doro. Allerdings mit viertelstündiger Verspätung, dafür war die Show dann aber auch ziemlich gut. Auch Doro ist bereits seit den 80er Jahren im Geschäft und bringt somit viel Erfahrung mit auf die Bühne. Und wie bei allen anderen Bands des Tages, war auch der Metal-Queen der Spass an der Musik immer noch wunderbar anzusehen.

Headliner des Tages war leider nicht Arch Enemy. Die Trash Metaller von Testament füllten diese Rolle aber auch extrem gut aus. Nicht nur das Bühnenbild (Brotherhood of the Snake) zog die Blicke des Publikums auf sich, die Band um Chuck Billy ließ keinen Kopf still halten sondern lieferten ein wahres Metal-Fest ab. Und bereiteten dem Ruhrpott Metal Meeting damit ein hervorragendes Finale.

An dieser Stelle soll aber auch nicht das Programm auf der Flöz-Stage vergessen werden. Hier gaben sich Bands aus dem Pott die Klinke in die Hand.

Los ging es mit Wizard. Gegründet Ende der 80er Jahre bringt die Band um Sänger Sven D’Anna ordentlichen Heavy Metal auf die Bühne. Wie viel Spass und Freude die Band am Bühnenleben hat zeigte sich vor allem, als Sven von der Bühne in den Graben stand, um ganz nah am Publikum zu sein. Und dann aber spontan nicht zu wissen, wie er eigentlich auf die Bühne zurückkommen könnte. Und so musste er einen etwas längeren Umweg laufen. Machte aber nix, das Publikum sang einfach derweil weiter.

Weiter ging es mit den Wuppertalern von Universe. Ebenfalls schon lange im Geschäft, lieferten sie klassischen Hard Rock ab. Sowohl Musik als auch Performance waren solide und gut, aber parallel zu Universe ging das Programm auf der Main-Stage, was leider zu einer Abwanderung des Publikums führte. Aber nichtsdestotrotz: ein Besuch bei Universe hat sich gelohnt.

Black Trash Metal spielten die Jungs von Erazor.  Zwar stellte sich die Frage, warum Sänger „Black Demon“ eine Sonnenbrille auf der in dunkles Licht getauchten Bühne brauchte, aber die Musik von Erazor ist solide gemacht und kann sich hören lassen.

“50% Crust + 25% Death Metal + 20% Thrash + 5% Black Metal = 100% PHANTOM CORPORATION” ist auf der Homepage von Phantom Corporation zu lesen. Dazu kommen noch sympathische Musiker, offensichtliche Spielfreude und Interaktionen zwischen den Musikern und mit dem Publikum. Und natürlich gute Musik.

Die nächste Band bekam eine eigene Ankündigung. Denn eigentlich hatte sich Despair 1992 aufgelöst. In diesem Jahr aber gaben sie ihr Comeback, teilweise in Originalbesetzung. Sänger Marc Grewe und Bassist Marius Ickert sind neu dabei, an der Gitarre steht aber immer noch Waldemar Sorychta und Markus Freiwald lässt nach wie vor die Drums erzittern. Die lange Pause war den Musikern nicht anzumerken: sie zeigten sich eingespieltes Team und lieferten, wie alle anderen Bands der Flöz-Stage, eine ordentliche Show ab.

Haupt-Act der Flöz-Stage war dann niemand geringeres als Onkel Tom. Und so strömten die Besucher von der Main-Stage regelrecht in die Nebenhalle, denn nun hieß es eindeutig: Feiern, trinken, noch mehr feiern und hey, noch viel mehr trinken.  Und das ganze angeheizt von Onkel Tom. Grandioser Abschluss auf der Flöz-Stage.

 

Und das wars dann auch schon mit dem dritten Ruhrpott Metal Meeting. Ein wunderbares, aufeinander abgestimmtes Line-Up, eine hervorragende Stimmung und Atmosphäre sowie ein Publikum, das einfach jede Band feierte, machten dieses Festival zu einem besonderen Erlebnis. Leider gab es aber auch ein paar negative Sachen, wie z.B. das dezente Müll-Problem in der Turbinenhallen und die parallel laufenden Konzerte. Letzteres war zum großen Nachteil für die Flöz-Stage, was in Anbetracht der soliden Shows der Bands dort leider schade war.

Nichtsdestotrotz: Man freue sich auf die vierte Auflage des Festivals.