Mr. Hurley und die Pulveraffen – Tortuga-Tour in Köln

Perücken, Piraten, Party – drei trifftige Gründe, aus denen man sich bei bestem Grillwetter lieber in einer dunklen und stickigen Halle aufhält, als draußen. Und so versammelten sich am 07.04. etliche Menschen in der Essigfabrik in Köln, um sich von unser aller liebsten Piraten aus dem karibischen Osnabrück nach Tortuga entführen zu lassen: Mr. Hurley höchstselbst versammelte seine Pulveraffen auf der Bühne und hatte mit den Kapeiken auch noch einen würdigen Support im Gepäck.

Seit Mitte Februar sind die Piraten bereits auf Tour, nun war auch Köln mal an der Reihe geentert zu werden. Leider musste ein paar Tage zuvor spontan der Support Maccabe & Kanaka die Segel streichen, genauso spontan halfen dann aber die Kapeiken aus.

Seit 2012 sind die Kapeiken bereits umtriebig in der Musik-Welt. Die Hamburger LARP-Rocktruppe macht bereits optisch eine Menge her, vor allem die Perücken sind mehr als nett anzusehen. Aber auch musikalisch können sie sich hören lassen. In den Texten erkennt man direkt die Herkunft aus der Rollenspiel-Szene, sowohl inhaltlich als auch erzählerisch. Immer wieder bezieht Maestro Fistus Famos das Publikum mit ein, das im Laufe des Konzerts auch stetig weiter an seinen Mitmach-Fähigkeiten übte: wobei der Schwierigkeitsgrad des Mitmachens von Lied zu Lied eigentlich etwas abnahm. Denn musste man sich bei „Militärische Grundlagen“ noch einiges an Text merken, klappte es mit den verstimmten Dudelsäcken bei „Drauf“ gleich schon viel besser. Dass durchaus echte Fans von den Kapeiken im Publikum zugegen waren, merkte man aber nicht nur an der Text- und Mitmach-Sicherheit: als die Band nach einem etwa 40 minütigen Set die Bühne verließ, schallten laute „Zugabe“-Rufe durch die Essigfabrik. Und tatsächlich kehrten die Kapeiken auch noch einmal auf die Bühne zurück (trotz der Tatsache, dass normalerweise „Drauf“ der Zugaben-Song ist). Das Publikum war definitiv gut drauf und die Kapeiken hatten einiges dazu beigetragen, dass man das hervorragende Wetter draußen fast schon vergessen hatte.

In der folgenden Umbaupause gab es dann diverse nostalgische Momente, als die Musik unserer Jugend aus den Boxen schallte: Spice Girls, NSYNC, Backstreet Boys, Scatman etc. Eigentlich schon ein kleines bisschen erschreckend, dass man einfach jedes Lied mitsingen konnte.

Zum Glück hatte der Spuk bald ein Ende: Mr. Hurley & die Pulveraffen enterten die Bühne. Gewohnt sympathisch und publikumsnah hatten die Osnabrücker keinerlei Schwierigkeiten die Stimmung von einem Höhenpunkt zum nächsten zu treiben. Viel Zeit nahmen sie sich zwischen den Songs, um diese mit ihren grandiosen Erzählfähigkeiten perfekt einzuleiten und kleine Geschichten dazu zu erzählen. Einen besonderen Moment erzielten sie dabei mit einer regelrechten Ode auf das Publikum: denn die Piraten wissen genau, ohne Publikum wären die Konzerte nicht wirklich toll. Dabei wäre vor allem hervorzuheben, wie unterschiedlich das Publikum sei: jung und alt, verschiedene Musikgeschmäcker, verschiedene Herkünfte und doch alle gleich in ihrer Begeisterung. Und alle gleich mit einer bestimmten Einstellung: „Scheiß auf Nazis“ schmettert Mr. Hurley durch die Halle und entert dafür ordentlich Zustimmung. Mit „Der Haifisch“ haben die Pulveraffen auch den passenden Song dazu im Gepäck. Und natürlich singt das Publikum auch mit, allerdings mit kurzer Unterbrechung von Buckteeth Bannock, der nur eben klarstellen muss: „Es ist völlig egal wie schön das klingt, hauptsache laut“. Neben diesem doch eigentlich etwas ernsteren Thema zeigten die Piraten aber natürlich auch, wie ernst sie sich selbst nehmen. Ob sie nun mit „Schlechtes Vorbild“ ihr eigenes Piratenwesen ins rechte Licht rücken, mit „Ich Kanone dich nicht leben“ ihre sensible Seite zeigen, oder mit „Nüchtern“ ein Lied über Antialkoholismus im Gewande eines Trinkliedes vorstellen: unsere Lieblingspiraten zeigen ihre Wandlungsfähigkeit. Gassenhauer wie der Pöbel-Song „Ach ja?!“ und „Mit’n Schwert“ runden das Ganze dann noch ab. Eigentlich etwas ernster und politischer wurde es dann noch mal bei „Gouverneur“ (begleitet von Buckteeth am Piano), das anschließende „Mendley“ und DER Gassenhauer schlechthin „Blau wie das Meer“ ließ aber keinerlei Zeit zum Grübeln aufkommen.

Konzerte von Mr. Hurley & die Pulveraffen sind schon ein wahres Erlebnis: zum einen ist es ja schon mal erstaunlich, dass die Geschwister es doch so ordentlich miteinander aushalten. Zum anderen sind die Lieder oberflächlich betrachtet zwar Party und Spass, beinhalten bei genauerer Betrachtung aber so viel mehr. Und dann schaffen es die Jungs und Pegleg Peggy auch jedes Mal wieder, das Publikum ganzheitlich zum Mitmachen zu animieren. Wer dies selbst noch erleben möchte: bis zum 27.04. sind die Piraten noch unterwegs.

Mehr Infos gibt’s auf Facebook und der Homepage.

 

Set-list Mr. Hurley & die Pulveraffen

Tortuga
Komm zur Marine
Achtung, Fertig, Prost
Plankentanz
Trau keinem Piraten
Der Haifisch
Schlechtes Vorbild
Schrumpfkopf
Gib dem Affen Zucker
Ich Kanonen dich nicht leben
Totgelacht
Nüchtern
Ach ja?!
Mit’n Schwert
Segel hoch
Gouverneur
Medley
Blau wie das Meer

 

Galerie Kapeiken:

Galerie Mr. Hurley & die Pulveraffen