Feuertal 2017, Waldbühne Hardt Wuppertal

Bereits zum 14. Mal fand am Wochenende (25.-26.08.) das Feuertal Festival in Wuppertal statt. 10 Bands lockten das Publikum zur Waldbühne Hardt. Zumindest war das so geplant. Doch leider musste eine Band, Lacrimas Profundere, ihren Auftritt kurzfristig absagen. Da in der Kürze der Zeit kein Ersatz gefunden werden konnte, änderten die Veranstalter den Programm-Ablauf ein wenig: ein etwas späterer Beginn und etwas längere Spielzeiten für die verbleibenden vier Bands füllten die Lücke gut aus.

Kurz nach 13 Uhr begann freitags der Einlass auf das Gelände. Vor dem Eingang warteten bereits viele Besucher, die zügig eingelassen wurden. Bis zum Beginn der Konzerte blieb genügend Zeit, das Gelände zu erkunden: den Merch-Stand der Bands direkt am Eingang, der Mittelaltermarkt mit Ständen für Kleidung, Schmuck, Essen und Trinken, sowie der Festival-Merch boten genügend Abwechslung. Über zwei Aufgänge ging es zum Herzstück des Geländes: der Waldbühne. Es ist eine beeindruckende Location. Der ehemalige Steinbruch versprüht einen ganz eigenen Charme und erzeugt eine angenehme Atmosphäre. Das Festival ist zwar recht klein (die Bühne bietet Platz für etwa 2000 Besucher), aber dadurch familiär, nicht überlaufen und überaus gemütlich. Moderiert wurde es traditionell von Eric Fish, der kurz nach 14 Uhr zum ersten Mal die Bühne betrat. Über beide Tage hinweg kündigte Eric die jeweils folgende Band an und gab je Pause ein Lied zum Besten.

Erste Band des ersten Tages waren Mila Mar. Nach insgesamt 11 Jahren Pause hatte sich die Band um Anke Hachfeld 2015 wieder zusammen gefunden. Atmosphärisch, mal ruhig, mal etwas lauter, umschwebten die Songs das Publikum und Ankes riesiger Stimmumfang verzauberte. Leider muss man aber sagen, dass die Musik von Mila Mar nicht jedermanns Sache ist, weswegen auch nicht wirklich Stimmung aufkam. Nichtsdestotrotz, die Show war wunderbar.

Nach kurzer Umbaupause und einer weiteren Showeinlage von Eric Fish betraten dArtagnan die Bühne. Gekonnt wickelten die Musketiere das Publikum innerhalb kürzester Zeit um den Finger und heizten ihm richtig ein. Die Fans sangen jedes einzelne Lied mit und die Band dankte es ihnen mit einer mitreißenden Show.

Lauter und härter wurde es anschließend mit Lord of the Lost. Die Hamburger lieferten eine gewohnt grandiose Show ab. Der nicht mehr ganz so neue Pi an der Gitarre und der etwas neuere Niklas Kahl an den Drums haben sich hervorragend in die Band eingefügt, so dass showtechnisch keinerlei Unterschied zur vorherigen Besetzung erkennbar war. Und so war es kein Wunder, dass die Lords die Stimmung problemlos hoch halten konnten.

Mit Fiddler’s Green standen dann auch schon kurz nach 20 Uhr die Headliner des Tages auf der Bühne. Mit Irish Speedfolk, einem unglaublich sympathischen Auftreten und wahnsinns Spass auf der Bühne, brachte die Band das Publikum noch einmal auf Hochtouren. Ob mit der Wall of Folk, dem Tshirt-Helikopter und einfach nur durch die mitreißende Musik: das Publikum ließ sich auf alles ein. Es sang, es tanzte, es sprang und feierte die Band. Ein grandioses Konzert für ein grandioses Publikum und damit ein würdiger Abschluss des ersten Tages.

Der Samstag begann wie der Freitag mit dem reibungslosen Einlass ab 13 Uhr. Als erstes trat gegen 14 Uhr die Band mit der weitesten Anreise auf: die Schweizer Jungs von Stoneman stürmten die Bühne und brachten das Publikum schon mal in Stimmung.

Mit Ignis Fatuu kam dann wieder Mittelalter und Folk Rock in den Steinbruch. Die Band hatte sichtlich Spass auf der Bühne und brachte diesen auch dem Publikum rüber. Da das Konzert auf Video aufgezeichnet wurde, waren zwei Kamera-Leute auf der Bühne unterwegs. Sie störten das Gesamtbild aber nur unwesentlich, P.G. fegte über die Bühne, und seine Bandkollegen taten es ihm gleich. Auch der letzte Festivalbesucher war nun völlig wach und die Füße konnte kaum einer still halten.

Perfekte Grundlage für die folgenden Piraten von Mr. Hurley und die Pulveraffen. Da das Konzert per live Stream auf Facebook übertragen werden sollte (der leider nach knapp 10 min abbrach), hatten die Piraten seit Einlass Piratenhüte und Augenklappen ausgeben lassen. Und eine Großzahl der Besucher hatte dieses Angebot angenommen. Der Anblick war grandios. Und Mr. Hurley und die Pulveraffen lieferten die perfekte Show dazu ab. In Piratenkostüm mit geschwärzten Zähnen, Dreck im Gesicht und die ein oder andere Wunde hauten die drei Jungs das Publikum von den Rängen. Showeinlagen von Peggy und ein Duett mit passend zurecht gemachten Thomas (Schandmaul) setzten dem ganzen noch den Piratenhut auf. Man könnte nun meinen, dass folgende Bands es schwer haben könnten, den Stimmungspegel zu halten.

Doch betrat niemand anderes als Mono Inc. die Bühne. Die Band um Martin Engler weiß einfach, wie sie das Publikum mitnehmen kann. Und so erschallten mehrere hundert Stimmen zu Songs wie „Children of the Dark“ und „Voices of Doom“. Wie bereits auf ihrer Tour, hatten Mono Inc. auch diesmal wieder Major Voice mit dabei, dessen Stimme gerade bei „Potter’s Field“ das gesamte Publikum begeisterte.

Leider geht jeder Tag einmal zuende, so auch dieser: kurz nach 20 Uhr betrat der Headliner die Waldbühne: Schandmaul. Emotionalität war hier vorprogrammiert, denn es war das letzte Konzert in Originalbesetzung: Anna Katharina Kränzlein verlässt leider die Band. Doch war diesem Abschied zunächst nichts anzumerken. Spass und Freude, Spiel und Tanz herrschten auf und vor der Bühne. Schnipsend und singend, springend und tanzend feierte das Publikum die Band. Bis zum letzten Lied. Denn dann war es Zeit für Abschied. Nur wenige Worte brachte Thomas hervor, kaum ein Bandmitglied konnte sich die Tränen, erst recht nicht Anna, die ihr letztes Konzert spielte. Ein unglaublich emotionaler Abschied, der die Verbundenheit der Bandmitglieder deutlich zeigte und zu Herzen rührte. Im Schein hunderter Wunderkerzen und Feuerzeuge, begleitet von hunderten von Stimmen, erklang mit „Dein Anblick“ der letzte Song des Abends. Obwohl, nicht ganz: Ein letztes Mal betrat Eric Fish die Bühne, um gemeinsam mit dem Publikum noch einmal die Festival-Hymne zu singen. Ein ruhiger, emotionaler und atmosphärischer Abschluss eines wunderbaren Festivals.

 

Und nächstes Jahr geht es weiter: das 15jährige Jubiläum steht an. Auch Eric Fish wird wieder dabei sein. Aber nicht als Moderator. Auch nicht mit Subway to Sally. Doch mehr wurde nicht verraten. Man darf gespannt sein.

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