Eisheilige Nacht 2017 Gießen

Es wird immer mehr zu einer Tradition: seit einigen Jahren bereits laden Subway to Sally um die Weihnachtszeit herum zur Eisheiligen Nacht ein. Mit drei weiteren Bands sind sie in vor, während und nach Weihnachten in verschiedenen Städten in Deutschland unterwegs. Dieses Jahr mit dabei sind neben dem Gastgeber noch Mono Inc., Feuerschwanz und Mr. Hurley & die Pulveraffen. Am 22.12.2017 ging es in die Hessenhalle in Gießen. Es war eine stimmungsvoller Abend, an dem ein Highlight das nächste jagte. Die Bands feierten das Publikum und das Publikum feierte jede einzelne Band, so dass von Beginn bis Ende mitgesungen, mitgetanzt, mitgejubelt werden konnte. Eine grandiose Gelegenheit, das Jahr laut und spaßig abschließen zu können.

Überhaupt nicht weihnachtlich war dabei das Wetter: nieselig und kühl, also ziemlich unangenehm. Das hielt die Konzertbesucher aber nicht davon ab, frühzeitig an der Hessenhalle zu erscheinen. Einlass war für 18 Uhr geplant, bereits ein paar Minuten vorher kam ich am Veranstaltungsort an. Und wurde so Zeuge einer faszinierenden Eigenschaft des Menschen: wir lieben es einfach, uns in eine Schlange zu stellen. An diesem Abend gelang dies in Perfektion, denn die Einlass-Schlange schlängelte sich tatsächlich und stellte sich direkt so auf, dass eine Art Spirale gebildet wurde. Optimale Ausnutzung des Vorplatzes also. Interessanterweise befanden sich damit Anfang und Ende der Schlange zeitweise auf nahezu gleicher Höhe, und dennoch gab es kaum jemanden, der vordrängelte und sich „aus Versehen“ an den Anfang der Schlange stellte. Der Einlass selbst ging zügig voran. In der Halle selbst ging es erst einmal zur Garderobe und dann an den verschiedenen Merch-Ständen vorbei in die riesige Konzerthalle. Im hinteren Bereich konnte man sich mit den ersten Getränken versorgen, bevor es im vorderen Bereich auf der Bühne los ging.

Pünktlich um 19 Uhr betrat Eric Fish die Bühne. Gewohnt herzlich, sympathisch und publikumsnah begrüßte er alle. Jede einzelne Band stellte er im Verlauf des Abends vor. Zur ersten Band des Abends grübelte er darüber nach, ob er mit seinen Geschwistern zusammen Musik machen und auf Tour gehen könnte. Denn die nächste Band besteht nur aus Geschwistern: Mr. Hurley & die Pulveraffen. Die aus dem karibischen Osnabrück stammenden Piraten-Geschwister legten direkt voll los und rissen das Publikum aus der Vorabend-Müdigkeit. Dabei wurden nicht nur die Stimmbänder gefordert: bereits im zweiten Song wurde zur körperlichen Betätigung aufgefordert, als Pegleg Peggy die Bühne betrat und zum „Plankentanz“ aufforderte. Und wer kann der hübschen Peggy schon widerstehen. Natürlich machten alle mit. Wie auch bei allen anderen Songs, denn mit ihren humorvollen Auftritten haben sich die Piraten eine große, treue, feierwillige Fangemeinde aufgebaut, die jeden einzelnen Song hervorragend mitsingen kann. Und so konnte auch Mr. Hurley selbst nur feststellen, dass ein Opener ja eigentlich zum Aufwärmen des Publikums da wäre, dazu aber eigentlich kaum noch was nötig wäre, weil die Stimmung bereits schlicht grandios war. Zum letzten Songs des Sets „Blau wie das Meer“ kam dann auch noch ein Gast auf die Bühne: Ingo von Subway to Sally wurde kurzerhand zum Piraten und unterstützte die Osnabrücker an der Gitarre. Alles in Allem: Mr. Hurley & die Pulveraffen führten hervorragend in den Konzertabend ein und legten den Grundstein für eine ganz besondere Stimmung an diesem Abend.

Die Musik der nächsten Band bezeichnete Eric Fish als intelligente-Mittelalter-Rock-Comedy: es war Zeit für Feuerschwanz. Die kurze Umbaupause zwischen den beiden Bands hatte die Stimmung um nichts abgedämpft, es ging genauso weiter, wie es aufgehört hatte: mit Spass, Freude und voller Stimmgewalt. Die Mannen und Frauen um Hauptmann Feuerschwanz legten eine energiegeladene Show hin, die jedes von Eric Fish benutzte Attribut in vollstem Umfang erfüllte. Immer wieder wurde das Publikum in die Show eingebunden, animiert durch die Miezen, den Hauptmann und Prinz Hodenherz. Ein optisches Highlight gab es dann zu „Krieger des Mets“, als sich der Hauptmann in eine mit Lichtern geschmückte Rüstung war. Unterstützung bei diesem Songs erhielten die Spielleute von Simon Michael. Unterstützung bei jedem einzelnen Song lieferte das Publikum, dass sich auch bei dieser Band als extrem textsicher herausstellte.

Die dritte Band des Abends bedarf eigentlich keiner langen Ankündigung, keine große Erklärung, denn sie ist eine feste Größe der Szene: Mono Inc. Wie Martin Engler allerdings überrascht feststellen musste, hatte es bisher noch kein Konzert von ihnen in Gießen gegeben. Und so hatten Mono Inc. ein Best-Of ihrer Diskografie dabei: Klassiker wie „Arabia“, neues wie „The banks of Eden“ und die Szene-Hymne „Children of the Dark“ befanden sich im Programm. Nicht fehlen durfte natürlich auch das „Drumbattle“, bei dem sich Katha Mia ein Wettstreit mit Martin Engler an den Drums liefert, unterstützt von den ebenfalls trommelnden Carl Fornia und Manuel Antoni. Ebenfalls ein festes Show-Bestandteil in diesem Konzert-Jahr ist der singende Koch: die Geschichte dazu, wie aus dem Fan und Koch MajorVoice wurde, kennt mittlerweile jeder. Mit „Potter’s Field“ begeistert er jedesmal wieder das Publikum, die Stimmgewalt ist einfach überwältigend, der Song und seine Interpretation berührend. Und mit jedem einzelnen Auftritt von MajorVoice wird man gespannter auf das im nächsten Jahr erscheinende Album. Mono Inc. legte eine gewohnt perfekte Show hin, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Da wird aus jedem Song eine mitgesungene Hymne, ob nun der Opener „Arabia“ oder das abschließende „Voices of Doom“.

Doch dann wurde es Zeit für den Gastgeber: Subway to Sally beschritten die Bühne. Schon eine gefühlte Ewigkeit im Geschäft weiß die Band genau, was das Publikum möchte und liefert genau das ab. So gibt es immer wiederkehrende Elemente in den Shows wie das Überreichen einer Rose zu „Kleid aus Rosen“. Und doch ist jede Show wieder etwas Besonderes und in seiner Weise einzigartiges. Und vor allem faszinierend in der Interaktion zwischen Band und Publikum. Die Spielleute um Eric Fish werden einfach geliebt und nahezu vergöttert. Und doch ist die Band so nah am Publikum dran, dass die Beziehung schlicht familär erscheint. Und auch der rote Faden des Abends, die humorvollen Momente, zog sich durch die Headliner Show. Denn als ein Scheinwerfer den Geist aufgab beschrieb Eric des Geruch als „Pyro-Böller, (der) zwischen meinen Beinen explodiert … und es riecht gut!“ Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite. Für einen besonderen Moment sorgte er dann, als zu „Eisblumen“ ein Kind aus der ersten Reihe auf die Bühne holte, das ihm schon den ganzen Abend über aufgefallen war. Noch bevor die Band nach „Sieben“ die Bühne verließ, stellte sich ein weiteres traditionelles Element der Shows ein: das Publikum verlangte die Zugabe, aber nicht irgendwie, sondern durch lautstarkes Singen von „Julia und die Räuber“. Und natürlich, wie immer, gab es auch die Zugabe. Allerdings nicht von Subway to Sally allein: Eric Fish rief jede einzelne Band des Abends zu sich auf die Bühne und alle gemeinsam gaben sie den „Veitstanz“ zum Besten. Zum vom Publikum verlangten Abschluss „Julia und die Räuber“ stand dann nur noch der Gastgeber auf die Bühne, geschmückt mit Weihnachtsschmuck und –mützen. Und so ging der Abend dann zu Ende: mit den Chören des begeisterten Publikums und dem begeisternden Abschluss ihrer Lieblingsband.

Die Eisheiligen Nächte sind jedes Jahr aufs Neue ein Highlight in der Weihnachtszeit. Und auch in diesem Jahr ist diese besondere Konzertreihe wieder ein absolutes Muss. Die Hessenhalle Gießen glänzte dabei durch eine perfekte Organisation und eine wunderbare Konzerthalle. Und auch wenn das Rausgehen aufgrund der monströsen Schlange an der Geraderobe ewig dauerte (die Garderoben-Mädels blieben trotzdem ruhig und freundlich): es gab absolut nichts zu bemängeln.