Eisfabrik – Null Kelvin

Fast auf den Tag genau – vor einem Jahr veröffentlichten EISFABRIK „Achtzehnhundertunderfroren“ – veröffentlichen EISFABRIK ihr viertes Studioalbum, mit dem frostigen Namen NULL KELVIN. Bei NULL KELVIN herrschen Temperaturen von -273,15°C und es sind die Beats, die dem Hörer wieder Leben einhauchen sollen und die Beine wieder zucken lassen. Wohlklingende Synthie-Töne übernehmen die Macht, über die unterkühlten und gefroren Körper und wecken den zwanghaften Wunsch zu Tanzen. Durchdringender und kristallklar-schneidender Gesang lässt Herzen erstarren und wieder erwärmen. Ein Blizzard fegt darüber hinweg und sprengt die Eisreste, von der Oberfläche und erweckt mit stampfenden Refrains den Körper des toten Planeten.
Es gibt nur drei Menschen, die solche Ideen haben und das sind die drei Elektromeister – Dr. Schnee, Der Frost und Celsius.

Wäre es bei Eisfabrik nicht so etwas Besonderes, so wären die Titel für den ersten und den letzten Song schon fast wieder banal. Es beginnt mit dem Titel „Sein erstes Lied“ und mit frostig kalten Elektro-Beats, eine Stimme berichtet dazu, dass die Temperatur auf der Kelvin-Skala maximal -273,15°C erreichen kann – kälter geht es nicht. Ich finde es absolut erstaunlich, aber die drei schaffen es tatsächlich, dass es einem beim Zuhören kalt wird.

Mit „Shadow“ soll uns klangvoll vermittelt werden, dass wir uns wir uns selbst belügen und es der Welt nicht so gut geht, wie wir uns das gerne einreden möchten. Die Beats sind hoffnungsvoll und ebenso traurig, aber es ist ein absolut tanzbarer Titel entstanden.

Bei „The Choice“ musste ich mir den Titel dreimal anhören, der Refrain ist eingängig und der ganze Song hat wirklich Ohrwurmqualität. Ich war mir bei diesem Song nicht sicher, ob ich mich auf den Text oder den Sound konzentrieren sollte, darum auch dreimal hören. Ja und die drei wollen, dass man sich in diesem Song entscheidet und ich entscheide mich absolut und uneingeschränkt für den Sound.

„Schneemann“ ist neben dem „Ersten“ und dem „Letzten“ Lied, der einzige Song, der von den Drei auf Deutsch gesungen wird. Sie bezeichnen den Song selbst als „Zweideutig“ – es bleibt also jedem selbst überlassen, was er hört.
Bei „Brother“ dröhnen zunächst die Beats, dann setzen die Stimmen ein und der Text vermittelt einem tatsächlich, dass es nur ein wahrer Freund sein kann, der immer für einen da ist. Ein sehr tiefsinniger Song, mich regte dieser Song und Text zum Nachdenken an.

Der nächste Song „Too Many Miles“ beschreibt den Weg eines Menschen, der von ganz oben, tief gefallen ist und wie lang und steinig der Weg wieder nach oben ist. Sie verstehen es – ich bin geneigt zu sagen – einzigartig zu vermitteln, welche Qualen sich der „Gefallene“ aussetzen muss. Der Text unterstreicht die Melodie und mir hat diese Kombination richtige Gänsehaut verursacht.

In diesem Album lassen die EISFABRK kaum Themen aus, die wir gerne verdrängen. Sie schaffen es aber eindrucksvoll bei „Follow The Light“, dass man von einer düsteren Stimmung, die der Tod mit sich bringt, in eine helle und hoffnungsvoll musikalische Welt wandelt. Ein in meinen Augen so ausdrucksstarker Song und wunderschön umgesetzt und keiner muss traurig sein, wenn er ihn hört.

„Payback“ sagt eigentlich mit diesem einen Wort, was damit ausgedrückt werden soll. In ihren Texten und Songs ist ja unsere Umwelt immer wieder ein Thema und jeder weiß es, was wir unserer Welt antun, werden wir eines Tages zurückbekommen – wir und unsere Kindeskinder.

„Sein letztes Lied“ ist das traurigste und hier wird es musikalisch richtig düster. Es beschreibt, wie Markus Kronthaler jubiliert und kurz darauf zusammenbricht und stirbt. Leben und Tod, Freude und Trauer liegen oft nur einen Wimpernschlag nebeneinander. Sein Bergkamerad muss ihn zurücklassen – irgendwo auf 8000 Meter Höhe, im Grenzgebiet zwischen Pakistan und China. Dieser Song schafft es, dass auch nach dem Verstummen der Musik, der Beats, dass man noch verweilt und die Synthie-Klänge in sich sehr langsam verstummen lässt.

Fazit
Nach meiner Meinung, ihr bisher bestes Album. Musikalisch spielen sie sowieso in der absoluten Top-Liga, die Stimmen und auch die Texte passen zusammen, regen zum Nachdenken an. Für mich war es vom ersten bis zum letzten Ton, ein Wechselbad der Gefühle und alle Eisfabrik-Fans können sich auf dieses Album freuen.

Ich weiß übrigens heute schon, was ich am 27.01.2018 mache – ich geh auf ein Konzert – ich höre Dr. Schnee, Der Frost und °Celsius.

Tracking-List
1. Sein erstes Lied
2. Shadows
3. Soon Enough
4. The Choice
5. Schneemann
6. White Out
7. Brother
8. Too Many Miles
9. Follow the Light
10. Payback
11. Still Alive
12. No Time for Regret
13. Sein letztes Lied

 

 

Tour-Daten “Kaltgebiete-Tour”

01.12.2017 – Hameln – Sumpfblume
02.12.2017 – Köln – Luxor
08.12.2017 – Nürnberg – Der Cult
09.12.2017 – Aarburg – Musigburg (CH)
15.12.2017 – Glauchau – Alte Spinnerei
16.12.2017 – Dresden – Club Puschkin
22.12.2017 – Bochum – Rockpalast
23.12.2017 – Hamburg – headCRASH
26.01.2018 – Frankfurt – Das Bett
27.01.2018 – München – Backstage
02.02.2018 – Berlin – Nuke Club
03.02.2018 – Wuppertal – LCB
10.02.2018 – Erfurt – Club From Hell

 

Format: CD / Vinyl / Fanbox 
Release: 24.11.2017 
Label: NoCut 
Vertrieb: SPV

 

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Quelle Bilder: NoCut